8. bis 16. September 2018
„Klangwelt Friedrich Ladegast – 200. Geburtstag
des großen mitteldeutschen Orgelbauers“


ZUM GELEIT

Die 48. Merseburger Orgeltage stehen in diesem Jahr ganz im Zeichen des 200. Geburtstages von Friedrich Ladegast, dem „Silbermann des 19. Jahrhunderts“, der auf ganz besondere Weise mit Merseburg und seinem Dom verbunden ist. Zwischen 1853 und 1855 schuf er hinter dem beeindruckenden Barockprospekt sein erstes großes Orgelwerk, die zur Zeit ihrer Erbauung größte Kirchenorgel Deutschlands. Zwischen 1855 und 1860 weilte Franz Liszt mehrmals als Hörer und Interpret seiner eigenen Orgelwerke in unserer Stadt und bereitete auf sorgfältigste Weise deren Aufführung vor. Eigens für die Domorgel komponierte Liszt das „Präludium und Fuge über BACH“, welches ein reichliches halbes Jahr nach der Einweihungder Domorgel am 13. Mai 1856 hier von Alexander Winterberger uraufgeführt wurde. Winterberger wirkte schon im Weihekonzert am 26. September 1855 mit und spielte hier Liszt's Fantasie und Fuge über „Ad nos, ad salutarem undam“.

Der Klang der Domorgel hat Liszt auch nach seinen Aufenthalten in Merseburg bei der Konzeption neuer Orgelwerke inspiriert. Dies ist durch zahlreiche Äußerungen des Meisters belegt. Sie zeugen in beeindruckender Weise von der Wirkung des Ladegastschen Meisterwerkes auf ihre Hörer.

Wesentlichen Anteil am Zustandekommen des Baues der Domorgel hatte der damalige Domorganist David Hermann Engel. Er wurde 1816 in Neuruppin geboren und erhielt dort auch seinen ersten Orgelunterricht. Nach Studien bei Friedrich Schneider in Dessau und Adolph Friedrich Hesse in Breslau wirkte Engel in Berlin. Mit seinem 1844 erschienenen Choralbuch erwarb er sich hohe Anerkennung und erhielt infolge wiederholt Kompositionsaufträge für den Königlichen Domchor. 1848 wurde Engel schließlich zum Nachfolger von August Gottfried Ritter in das Amt des Domorganisten zu Merseburg gewählt, welches er bis zu seinem Tode im Jahre 1877 inne hatte. In seiner Funktion als „königlich preußischer Orgelrevisor für die sächsischen Provinzen“ gilt er als „Entdecker“ und Förderer von Friedrich Ladegast.

Die Merseburger Domorgel zählt heute zu den weltweit kostbarsten historischen Instrumenten überhaupt. Es ist das Anliegen unseres Freundeskreises mit den Programmen der 48. Merseburger Orgeltage der großen musikgeschichtlichen Bedeutung unserer Domorgel und ihres Erbauers Friedrich Ladegast zu gedenken. So sind es auch in diesem Jahr eine Reihe international renommierter Künstler und Ensembles die zum Gelingen des vielseitigen Programms zu Ehren des 200. Geburtstages von Friedrich Ladegast beitragen.

Für die Gastgeber ist es eine große Freude in den letzten Jahren ein Anwachsen der Besucherzahlen beobachten zu können. Dies bestätigt alle an der Vorbereitung dieses Festivals Beteiligten in ihrer Arbeit. Ermöglicht wurden diese Orgeltage durch den selbstlosen Einsatz einiger Mitglieder unseres Vereins „Musik und Denkmalpflege in Kirchen des Merseburger Landes“ e.V. Nicht hoch genug einzuschätzen ist hierbei das über viele Jahre ehrenamtliche Wirken von Hans-Hubert Werner und Dr. Peter Ramm, ohne die das Festival nicht in dieser Form existieren würde.
Eine große Hilfe bei der Organisation der Orgeltage ist neben der Bereitstellung eines finanziellen Anteils die Zusammenarbeit von dem die Orgeltage veranstaltenden „Freundeskreis Musik und Denkmalpflege in Kirchen des Merseburger Landes“ e.V. und der Stadt Merseburg. Viele logistisch-organisatorische Aufgaben können auf diese Weise gelöst werden. Für diese Unterstützung möchte ich auf diesem Wege Herrn Michael George und Henning Kalbitz ausdrücklich danken.

Auch möchte ich es nicht versäumen, all denjenigen auf das herzlichste zu danken, die durch ihre großzügige finanzielle Unterstützung und praktische Hilfe diese Orgeltage vorbereitet haben.
Dazu gehören auch die vielen Helferinnen und Helfer hinter den „Podien und Kulissen“.
Ihnen allen wünsche ich nach den großen Mühen der letzten Wochen und Monate einen erfolgreichen Verlauf dieses mit so viel Liebe und Herzblut vorbereiteten Festivals.

Allen Künstlern, die unsere Orgeltage gestalten, möchte ich ein herzliches Willkommen in Merseburg sagen und hoffe, daß sie sich in der Domstadt mit ihrer weit über tausendjährigen Geschichte wohlfühlen.

Allen Besuchern der 48. Merseburger Orgeltage wünsche ich im Namen des „Freundeskreises Musik und Denkmalpflege in Kirchen des Merseburger Landes“ e.V. erbauliche Stunden und unvergessliche Konzerterlebnisse.

Michael Schönheit – Domorganist