27. Orgelsommer im Merseburger Land

In Gedenken an den 200. Geburtstag von Friedrich Ladegast
mit 8 Konzerten an seinen Orgeln


Veranstalter:
Freundeskreis Musik und Denkmalpflege
in Kirchen des Merseburger Kandes e. V.
Karten zum Preis von jeweils 10 € an der Konzertkasse vor Ort.


(Samstag)

Eröffnungskonzert im Merseburger Dom

18:00

Große Ladegast-Orgel 1853-55/1866 (4 Manuale, Pedal, 81 Register)
und Kleine Ladegast-Orgel 1850 (1 Manual, Pedal, 10 Register)  
FELIX FRIEDRICH – Schlossorganist zu Altenburg

Die große Ladegast-Orgel im Merseburger Dom

Mit ihrem um 1700 von Zacharias Theißner geschaffenen, zwischen den Domwesttürmen bis an das Gewölbe aufgetürmten prachtvollen Barockprospekt beherrscht sie die spätgotische Langhaushalle. Das Monogramm des „Geigenherzogs“ Moritz Wilhelm (1712-31) weist auf einen erweiternden Umbau durch Johann Friedrich Wender aus Mühlhausen hin, nach dem diese Orgel bei ihrer Weihe 1717 bereits über 4 Manuale mit 66 Registern verfügte. Der langjährige Merseburger Domorganist Wilhelm Schneider (1824-1843) hielt seine Domorgel, deren Reparaturkosten bis zu seiner Zeit bereits das Zweieinhalbfache der Herstellungskosten überschritten hatten, freilich für ein „von Anfange sehr irregulair angelegtes Orgelwerk“ und war, wie seine Nachfolger August Gottfried Ritter (1844-1847) und insbesondere David Hermann Engel (1847-1877), um eine nachhaltige Verbesserung bemüht. Auf seinen Vorschlag, so Engel,  wurde die Erneuerung dieses „Riesenwerks“ einem „jungen, damals allerdings noch wenig bewährten Meister“ anvertraut, dessen Umbauvorschlag „bei außerordentlicher Billigkeit, zugleich der  umfassendste“ unter den eingereichten Angeboten war und der sich ihm vor allem durch „die außerordentliche Solidität und künstlerische Tüchtigkeit … bei dem Bau von zwei kleineren Landorgeln in hiesiger Gegend“ empfohlen hatte: Friedrich Ladegast aus Weißenfels, den dieser Orgelbau berühmt machen sollte.
Ladegast baute 1853 bis 1855 in das alte Barockgehäuse ein völlig neues Werk, das bei mechanischer Traktur mit Schleifladen in 81 Registern nunmehr insgesamt fast 5700 Pfeifen und das alte Stahlspiel enthielt – seinerzeit eine der größten Orgeln in Deutschland. Er mußte dabei 26 ältere Register übernehmen, ersetzte diese aber mit Ausnahme des Stahlspiels und der Schallmey 8’ im Oberwerk in Verfolgung seiner eigenen Klangvorstellungen 1866 im Selbstauftrag ebenfalls durch neue Register.
Franz Liszt nahm am Bau dieses orgel- und musikgeschichtlich bedeutsamen Instruments, der ersten romantischen Großorgel Mitteldeutschlands, lebhaften Anteil und ließ sich durch sie zu seinen bedeutendsten Orgelwerken anregen. Die Orgelweihe am 26. September 1855 stieß auf ein begeistertes Echo. Neben den Kompositionen von Liszt selbst ist vor allem die an dieser Orgel 1857 uraufgeführte große Sonate seines jung verstorbenen Schülers Julius Reubke zu nennen. Eine umfassende Restaurierung 2001-2004 durch die Werkstätten Eule, Scheffler und Wegscheider gab der großen Orgel ihr Ladegastsches Klangbild von 1866 zurück.
Durch Ladegast und Liszt in besonderer Weise ein authentisches Instrument für die romantische Orgelmusik des 19. Jahrhunderts, blieb auch diese Orgel in ihrer großartigen Klangvielfalt mit ihrem gleichsam barocken Baßfundament wie in ihren relativ wenigen, aber exzellenten Zungenregistern ebenso ein Konzertinstrument von höchstem Rang für die ältere Orgelliteratur wie für modernere Orgelkompositionen. Sie kann für italienische Musik italienisch, für französische Musik französisch klingen – ob Rameau oder Messiaen ... Hier muß noch immer Franz Brendel zitiert werden, der diese Orgel bereits zur Weihe 1855 unübertroffen charakterisierte,  und sein Urteil fast gleichlautend auch noch 1867 in der 4. Auflage seiner „Geschichte der Musik in Italien, Deutschland und Frankreich“ wiederholte:
 „Der Charakter dieses Werkes unterscheidet sich wesentlich von dem aller anderen Orgeln, ich möchte sagen: er sei moderner. An Kraft und Fülle, beim Gebrauch des vollen Werkes, kommt sie wohl den besten gleich. Einzig in ihrer Art aber ist sie in den sanfteren Stimmen. Es ruht ein Wohllaut, ein Schmelz darin, wie ich ihn bei anderen Orgeln noch nicht gehört. Der Klang ist, um die Hauptsache mit einem Worte zu bezeichnen, poetischer Natur. Es ist eine bezaubernde Mannigfaltigkeit der Stimmen darin und diese Vorzüge werden noch unterstützt durch die Möglichkeiten des Crescendo und Decrescendo. So muß dieses Instrument vor allem als geeignet erscheinen, der bezeichneten Richtung als Grundlage zu dienen […].“

Die kleine Ladegast-Orgel im Merseburger Dom

Sie ist das älteste erhalten gebliebene Werk aus Ladegasts Weißenfelser Werkstatt: „Vollendet am 27. Nov. 1850 […] Orgelbauer Ladegast aus Weißenfels“, wie eine Bleistiftinschrift in der einmanualigen Orgel bezeugt – ein handwerklich hervorragend gebautes kleines Instrument von hohem künstlerischem Wert, dessen Prospekt dem der ersten überhaupt von Ladegast geschaffenen Orgel in Tanneberg von 1838 ähnelt. Sie stammt aus der aufgegebenen und in Verfall begriffenen Dorfkirche Raschwitz, aus der das in kritischem Zustand befindliche, durch starken  Holzwurmbefall bereits erheblich geschädigte Instrument 1992 auf Veranlassung der Denkmalschutzbehörde geborgen und mit Unterstützung des Freundeskreises Musik und Denkmalpflege in Kirchen des Merseburger Landes unter Rekonstruktion des Zinnprospekts restauriert wurde (Fa. Rösel & Hercher / Saalfeld, Gehäuserestaurierung Hans Rothe / Burgliebenau). 1993 in der Michaeliskapelle am Merseburger Domkreuzgang feierlich eingeweiht und auch erstmals in den „Orgelsommer im Merseburger Land“ einbezogen, wurde es 2001, zunächst nur für die Restaurierungszeit der großen Orgel, als Interimsinstrument im südlichen Domseitenschiff aufgestellt. Dort aber entfaltete es mit seinen nur 10 Registern selbst in diesem ungleich größeren Raum eine erstaunliche Klangfülle, so daß es dort verbleiben sollte.
Wie andere frühe Instrumente Ladegasts bezeugt die kleine Orgel seine Verwurzelung in der mitteldeutschen Orgeltradition, die sich in der klassischen Disposition mit der für ihn typischen Dominanz der Achtfußregister und dem gravitätischen Klang mit seinem kräftigen Prinzipalchor widerspiegelt. Die kleine Dorfkirchenorgel ist im Merseburger Dom ein beeindruckendes Zeugnis für das Können des jungen Meisters, als er, noch weithin unbekannt, auf Fürsprache des damaligen Domorganisten und königlichen Orgelrevisors David Hermann Engel den Auftrag zur Erneuerung der großen Domorgel erhielt. Ihre Disposition:

Manual
Principal  8’
Flöte  8’
Gambe  8’
Gedackt  8’
Principal  4’
Fl. Minor  4’
Octave
Scharf 2fach

Pedal
Subbaß  16’
Violon  8’

Pedalkoppel


(Samstag)

Eine Orgelwanderung

15:00

Orgelwanderung von Bischdorf nach Oberklobikau
mit den Orgelbaumeistern KONRAD und CHRISTIAN SCHEFFLER (Sieversdorf)

und Organistin LIENE ANDRETA KALNCIEMA (Riga) 
Bischdorf, Ladegast-Orgel 1864: 1 Manual, Pedal, 9 Register,
Oberklobikau, Ladegast-Orgel 1857: 2 Manuale, Pedal, 11 Register
Weitere Informationen unter www.merseburger-orgeltage.de

Kirche und Orgel von Bischdorf

Die kleine schlichte spätromanische Chorturmkirche, erbaut um die Mitte des 13. Jahrhunderts, versteckt am Dorfrand. Erhalten die innen als Halbrund, außen als Polygon ausgebildete romanische Altarapsis, das kurze Kirchenschiff 1704 in schlichten Formen erneuert.
Die Orgel von 1864, bei Massmann unter „Bisdorf“ als Nr. 20 mit nur 7 Registern aufgeführt, vielleicht erst nachträglich um zwei Register erweitert. Das kleine klangschöne Instrument in die Brüstung der Empore eingearbeitet, der Spieltisch seitlich angebracht. Der Raum Ende 19. Jahrhundert mit neuer Holzdecke und glattem Fliesenfußboden versehen, der Barockaltar und die Seitenflügel der Hufeisenempore abgebrochen, die Akustik der Kirche dennoch ausgewogen.
Die Orgel 1994 auf Initiative der Denkmalschutzbehörde des Landkreises und des Freundeskreises Musik und Denkmalpflege durch Fa. Rösel & Hercher (Saalfeld) unter Rekonstruktion des Zinnprospekts restauriert, Gehäuse und Empore von Hans Rothe (Burgliebenau).
Mechanische Schleifladen, Tonumfang im Manual von C-f’’’ (Gedackt 16’ ab c), im Pedal von C-d’. Die Disposition:

Manual:
Gedackt 16’
Floete 8’
Gamba 8’
Lieblich Gedackt 8’
Principal 4’
Gedackt 4’
Octave 2’
Mixtur 2fach

Pedal:
Subbaß 16’

Nebenzug:
Pedalcoppel

Kirche und Orgel von Oberklobikau

Die Kirche, ein barocker Saalbau mit Westturm (1721), wurde wohl wie der großartige bauzeitliche Kanzelaltar (1723) von dem bedeutenden Merseburger Bildhauer und Baumeister Christian Trothe (1672-1732) geschaffen.
Die zweimanualige Orgel Ladegast 1857 (Massmann Nr. 23), bis auf Verlust des Zinnprospekts 1917 weitgehend unverändert, mit Einschränkung spielbar, restaurierungsbedürftig. Der Orgelprospekt  angelehnt an frühe Ladegastsche Prospekte mit eleganten Schleierbrettern, die Seitenfelder an den flach gewölbten Mittelturm heranführend.
Mechanische Schleifladen; Tonumfang Manual C-f’’’ (Bordun ab c), Pedal C-d’. Die Disposition:

I.Manual Hauptwerk:
Bordun 16’
Principal 8’
Gedackt 8
Octave 4’
Octave 2’
Progressio 2fach

II. Manual Hinterwerk:
Gambe 8’
Flöte 8’
Flauto amabile 4’

Pedal:
Subbaß 16’
Octavbaß 8’

Nebenzüge:
Pedalcoppel (I-P)
Manualcoppel


(Samstag)

Orgelsommerkonzert in Zöschen

17:00

Ladegast-Orgel (2 Manuale, Pedal, 18 Register)
FRANK BETTENHAUSEN – Organist an der Stadtkirche zu Rudolstadt

Kirche und Orgel von Zöschen

In Zöschen steht der Kirchturm als ältester Teil des Bauwerks ungewöhnlicherweise in der Mitte der Kirche. Ursprünglich schloß sich  an diesen im Kern noch romanischen Chorturm östlich eine Apsis für den Altar und westlich ein niedrigeres Kirchenschiff an. 1754-57 wurde aus diesem ein breiterer und höherer barocker Saal und ein fast gleich-großer Chorraum ersetzte die Apsis, so daß ein interessantes Raum-gefüge entstand. Leider wurden die Choremporen in den 1970er Jahren dem Einbau einer massiven Winterkirche geopfert, was auch die Akustik des Raumes veränderte.
Die Dokumente zur Entstehung der Ladegast-Orgel (Werkverzeichnis Massmann Nr. 36) sind im Pfarrarchiv erhalten: Gutachten zur barocken Vorgängerorgel mit Kostenvoranschlag zu einer neuen Orgel von Friedrich Ladegast am 2.11.1861, genehmigt von Orgelrevisor Domorganist David Hermann Engel 3.12.1861, Vertrag 2.1.1862, Abnahmeprotokoll von Engel 7.1.1864. In einem Brief an den Pfarrer vom 18.12.1866 erwähnt Ladegast das „gewiß in jeder Hinsicht noble Gehäuße“ und die auch von Engel hervorgehobene besondere Konstruktion der Balganlage, die – wie die seitliche Anordnung des Spieltisches – durch den knappen Raum auf der Empore bedingt war.
Die Orgel blieb bis auf den Verlust des Zinnprospekts 1917 unverändert. 1992 wurde sie auf Inititiative der Kirchgemeinde mit Unterstützung der Denkmalschutzbehörde des Landkreises durch den halleschen Orgel-bauer Thomas Hildebrandt instand gesetzt. Sie besitzt mechanische Schleifladen, der Tonumfang reicht im Manual von C bis f’’’ (Bordun ab c), im Pedal von C bis d’. Hier die Disposition:

I. Manua lHauptwerk:
Bordun 16’
Principal 8’
Rohrflöte 8’
Viola di Gamba 8’
Principal 4’
Gedackt 4’
Quinte 3’
Octave 2’
Cornett 3fach
Mixtur 3fach 11/3

II. Manual Hinterwerk:
Geigenprincipal 8’
Salicional 8’
Lieblichgedackt 8’
Flauto amabile 8’
Flauto dolce 4’

Pedal:
Violon 16’
Subbaß 16’,
Violoncello 8’

Nebenzüge:
Pedalkoppel (I-P)
Manualkoppel


(Samstag)

Orgelsommerkonzert in Albersroda

17:00

Ladegast-Orgel 1851 (2 Manuale, Pedal, 13 Register)
An der Ladegastorgel: DENNY WILKE – Stadtorganist zu Mühlhausen

Programm 21. Juli 2018

Orgelkonzert Albersroda
„Ein romantischer Orgelnachmittag“

Franz Liszt (1811 – 1886)
Weimars Volkslied

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847)
Aus „Lieder ohne Worte“
in Bearbeitungen von
Alexander Wilhelm Gottschalg (1827- 1908)
Andante op. 102, Nr. 6
Adagio non troppo op. 30, Nr. 3
Moderato op. 19, Nr. 4
Andante sostenuto aus den Kinderstücken op. 72  

Robert Schumann    (1810 – 1856)    
Skizzen für den Pedalflügel op. 58
I.   Nicht schnell und sehr markiert
II.  Nicht schnell und sehr markiert
III. Lebhaft
IV.  Allegretto

August Gottfried Ritter (1811 - 1885)
Sonate für Orgel Nr. 4 A-Dur op. 31
Ruhig und heiter  – Theme mit Variationen: Frisch und Kräftig

 
An der Ladegastorgel: DENNY WILKE - Stadtorganist zu Mühlhausen

VITA
Denny Wilke studierte bis 2005 in der Meisterklasse des Leipziger Gewandhaus- und Merseburger Domorganisten Michael Schönheit an der Musikhochschule Nürnberg.
2006 absolvierte er außerdem sein Konzertexamen in der Solistenklasse von Ben van Oosten am Konservatorium Rotterdam. Im Rahmen der „Europäischen Musikakademie Bonn“ hatte er bereits 2003 ein Stipendium für die Meisterklasse von Olivier Latry (Notre - Dame de Paris) erhalten.
Als Organist spielt er regelmäßig bei Klangkörpern wie dem Gewandhausorchester Leipzig, dem MDR - Sinfonieorchester, der Dresdner Philharmonie, der Staatsphilharmonie Nürnberg, der Staatskapelle Halle, dem MDR-Rundfunkchor, dem Nationalchor der Ukraine DUMKA, Latvian State Choir, dem GewandhausChor, dem Philharmonischen Chor Dresden u. v. a.
So kam es zu künstlerischen Begegnungen mit Kurt Masur, Riccardo Chailly, Neeme Järvi, Kristjan Järvi, Howard Arman, Simone Young, Sir John Eliot Gardiner, u. a.
Einladungen für Solistenabende führen ihn an bedeutende kirchenmusikalische Stätten und Konzertsäle wie dem Gewandhaus Leipzig, der Hamburger Musikhalle, dem Kulturpalast Dresden, Notre – Dame Paris, etc.  
Er ist gefragt als Continuospieler und Kammermusikpartner auf dem Cembalo, dem historischen Hammerflügel oder dem modernen Klavier, was ihn auf verschiedene Festivals führte, darunter das Bachfest Leipzig, die Händel-Festspiele Halle, die Dresdner Musikfestspiele und der MDR-Musiksommer.
Seit der Restaurierung der großen Ladegast-Orgel erwarten ihn - neben Domorganist Michael Schönheit - als Organist vielfältige Aufgaben am Merseburger Dom.
2008 übernahm er die künstlerische Leitung der „Mühlhäuser Marienkonzerte“ in Mühlhausen/Thüringen.
2009 wurde er dort zum Stadtorganisten der Konzertkirche „Marienkirche“ Mühlhausen berufen. Hier umfasst sein Wirkungsbereich die Gestaltung der Orgelkonzerte und thematischer Zyklen sowie die Mitwirkung bei Kammermusiken in der historischen Rathaushalle.
Er nahm seine Ernennungsurkunde in der historischen Rathaushalle entgegen, wo sie auch 1707 der junge Johann Sebastian Bach vom „hochedlen und hochweisen Rat“ erhielt.
2010 wurde er Preisträger beim International Sydney Organ Competition.
2011 erschien - zum 200. Geburtstag von Franz Liszt - seine Solo-CD mit Orgelwerken des Jubilars, aufgenommen an der historischen Buchholz-Orgel in Barth (Ostsee), die 2015 für die Bestenliste des „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ nominiert wurde.
Im Rahmen der von der EKD und vom Bund ausgerufenen Lutherdekade 2017 wurde ihm die künstlerische Leitung eines zum jeweiligen Themenjahr eingeliedertem Musikfestival in Mühlhausen und darüber hinaus übertragen.
2017 erschienen mit ihm als Solist drei CDs, aufgenommen an der großen Rieger-Orgel der Abteikirche Marienstatt, an der großen Sauer-Orgel der Kirche St. Marien zu Mühlhausen (zusammen mit Max Regers „Hebbel-Requiem“ op. 144b und Johannes Brahms' „Ein deutsches Requiem“ op. 45). Aufsehen erregte die unter dem Titel veröffentlichte  CD „FRENCH ROOTS – Works by Liszt, Dupré & Demessieux“- eingespielt an der großen Seifert-Orgel der päpstlichen Marienbasilika Kevelaer, die mit der Weltersteinspielung der Variationen über „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ von Franz Liszt,  in einer synkretisierten Fassung von Marcel Dupré nun der Medienwelt zugänglich ist.     

Kirche und Orgel von Albersroda

Von der ursprünglichen, einst Sankt Magnus geweihten mittelalterlichen Kirche in Albersroda, die damals dem Prämonstratenser-Stift St. Mang in Cölbigk zugehörte, blieb nur der Chorturm aus der Mitte des 13. Jahrhunderts erhalten. Um 1500, in der Epoche der Spätgotik, wurde anstelle der spätromanischen Apsis an den Turm ein breiterer Chorraum und schließlich im Jahr 1838 nach Westen das hohe klassizistische Kirchenschiff angefügt. Von der alten Ausstattung lohnen vor allem die beiden qualitätvollen spätgotischen Schnitzaltäre aus der Nachfolge Lucas Cranachs d. Ä. und die eigenwillige ornamentale Bemalung des Chorturmgewölbes aus der Zeit der Spätrenaissance genauere Betrachtung.
Die Ladegast-Orgel von 1851 ist – nach dem Verlust der Orgel in Geusa aus dem Jahr 1849 – das älteste erhaltene zweimanualige Instrument aus seiner Weißenfelser Werkstatt, die Gestaltung des Prospekts wie bei der einmanualigen Raschwitzer Orgel (1850) im Merseburger Dom eng an Ladegasts erste erhaltene Orgel in Tanneberg (1838) angelehnt.
Das Albersrodaer Instrument blieb bis auf die 1917 beschlagnahmten und in den 20er Jahren durch Zinkpfeifen ersetzten Prospektpfeifen unverändert. 2005 wurde es von Fa. Schönefeld (Stadtilm) restauriert, nur für neue Zinnpfeifen fehlt der Kirchgemeinde noch immer das Geld.
Das Instrument hat mechanische Schleifladen, der Tonumfang reicht von C bis d’’’ (Bordun 16’ ab c), im Pedal von C bis c’.  Die Disposition lautet:

I. Hauptwerk:
Bordun 16’
Principal 8’
Gedackt 8’
Viola di Gamba 8’
Octave 4’
Gedackt 4’
Octave 2’
Mixtur 3fach 1 1/3’

II. „Oberwerk“:
Lieblich Gedackt 8’
Flaute travers 8’
Flaute amabile’ 4’
Waldflöte 2’

Pedal:
Violonbaß 16’
Subbaß 16’
Principalbaß 8’

Nebenzüge:
Koppeln I-P, II-P



(Samstag)

Orgelsommerkonzert in Braunsdorf

17:00

Ladegast-Orgel 1876 (2 Manuale, Pedal, 18 Register)
THOMAS ENNENBACH – Organist an der Andreaskirche zu Lutherstadt Eisleben

Programm 4. August 2018

Orgelkonzert Erlöserkirche Braunsdorf

Johann Sebastian Bach (1685 - 1750)
Praeludium und Fuge c-Moll BWV 546    
   
Friedrich Wilhelm Marpurg (1718 - 1795)
Sonate a-Moll  
Allegro - Con tenerezza - Allegretto        
                        
Joseph Haydn (1732 - 1809)
Thema mit Variationen in C  Hob.XVII:5        
           
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Adagio in F KV Anh.94 (580a)
           
Heinrich Wilhelm Stolze (1801-1868)
Aus: „Die wohltemperierte Orgel“ op. 58        
Präludium und Fuge d-Moll                 
                                          
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Thema mit Variationen D-Dur (1844)

John Williams (*1932)
Star Wars - Eight Intergalactic Arrangements  
Across The Stars                    
The Throne Room
May the Force Be With You
The Imperial March (Darth Vader’s Theme)
Princess Leia’s Theme
Rey’s Theme
Yoda’s Theme
Star Wars (Main Theme)

An der Ladegastorgel: THOMAS ENNENBACH - Organist an der Andreaskirche zu Eisleben

VITA
Thomas Ennenbach, geboren in Rudolstadt, studierte er nach erstem Orgelunterricht an der dortigen Ladegastorgel in Halle Kirchenmusik und an der Musikhochschule „Franz Liszt“ Weimar, Orgel, Gesang und Dirigieren. Seitdem ist er Organist und Kantor an der Marktkirche St. Andreas und an Martin Luthers Taufkirche St. Petri-Pauli in der Lutherstadt Eisleben, 1999 wurde er zum Propsteikantor der Propstei Halle-Wittenberg berufen. Seit 1993 leitet er die Konzertreihe KIRCHENMUSIK IN DER LUTHERSTADT EISLEBEN und widmet sich darüber hinaus selbstständiger Konzerttätigkeit. So arbeitet er mit Solisten, Chören und Orchestern wie der Staatskapelle Halle, der Jenaer Philharmonie, dem Loh-Orchester Sondershausen, dem Mitteldeutschen Kammerorchester, der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie Schönebeck, den Thüringer Symphonikern Saalfeld-Rudolstadt und dem Concerto Berlin als Organist und Dirigent zusammen. Neben diversen Rundfunk- und Fernsehsendungen sind folgende Tonträger erschienen: „Lutherchoral-Bearbeitungen aus vier Jahrhunderten“ an der Orgel der St. Andreaskirche Lutherstadt Eisleben, „Die Rühlmann-Orgel im Diakoniewerk Halle/S.“, „Die Rühlmann-Orgel in der St. Gangolfkirche Hettstedt", „Historische Orgeln im Kirchenkreis Eisleben-Sömmerda“, „Die Wegscheider-Orgel in der Schlosskapelle Allstedt“  sowie verschiedene Chor-Orchester-Produktionen.

mehr Informationen unter: www.thomas-ennenbach-orgel.de

Kirche und Orgel von Braunsdorf

Die Erlöserkirche ist ein ungewöhnliches Bauwerk: im Kern eine große romanische Saalkirche, die um 1700 barockisiert und dann 1875-77 aufwendig „re-romanisiert“ wurde – mit einer höchst qualitätvollen neuromanischen Ausstattung. Dazu gehört mit Altar, Kanzel, Gestühl und einer prächtigen Holzdecke mit Schablonenmalerei auch der ungewöhnliche Prospekt der Ladegast-Orgel.
Die in katastrophalem Zustand dem Ruin nahe Kirche wurde durch die Initiative von engagierten Gemeindemitgliedern und einem engagierten örtlichen Förderverein in den 1990er Jahren vorbildlich instandgesetzt.
2001 auch die schwer geschädigte Ladegast-Orgel von 1876 durch Thomas Hildebrandt (Halle) restauriert, der dabei sogar den im 1. Weltkrieg verlorenen Zinnprospekt rekonstruierte. Die Orgel verfügt über mechanische Schleifladen. Ihr Tonumfang reicht im Manual von C –  f’’’ (Bordun ab c), im Pedal von C –  d’.
Die Disposition:

I. Manual:
Principal 8’
Bordun 16’
Doppelflöte 8’
Octave 2’
Mixtur 3fach
Principal 4’
Gambe 8’
Flauto minor 4’
Naßat 22/3’

II. Manual:
Gedackt 8’
Salicional 8’
Flauto traverso 8’
Zartflöte 4’

Pedal:
Subbaß 16’
Violon 16’
Oktavbaß 8’
Gedacktbaß 8’
(beschildert: Naßat 51/3’ )

Nebenzüge:
Pedalcoppel
Manualcoppel


(Samstag)

Orgelsommerkonzert in Blösien

17:00

Ladegast-Orgel 1855 (1 Manual, Pedal, 11 Register)
ISTVAN ELLA – Budapest

Kirche und Orgel von Blösien

Wie ein spätgotisches Krönlein sitzt die kleine Orgel auf der oberen Empore des hohen schmalen Kirchensaals von Blösien, der in der Barockzeit ein kleineres älteres Kirchenschiff esetzte. Er schließt sich an den heute in der Mitte der Kirche stehenden Turm an, der wohl ursprünglich ein Chorturm war und in seinem Kern noch aus spätromanischer Zeit stammen könnte. An seiner Ostseite wurde dort, wo sich zuvor eine romanische Apsis befand, in spätgotischer Zeit ein breiteres Chorpolygon angefügt.
Von der Ausstattung ist aus dieser Bauzeit der Schnitzaltar erhalten geblieben. Neben ihm lohnen auch der barocke Taufstein von 1686 und ein Epitaph von 1728 aus der bekannten Merseburger Hoppenhaupt-Werkstatt einen Blick.
Die Orgel (Massmann, Nr. 17) schuf Friedrich Ladegast in demselben Jahr 1855, in dem er die große Merseburger Domorgel vollendete.
Das wertvolle Instrument wurde 1995 auf Initiative der Denkmal-schutzbehörde des Landkreises und des Freundeskreises Musik und Denkmalpflege restauriert. Dabei wurde auch der 1917 abge-lieferte Zinnprospekt durch die Thüringer Orgelbaufirma Rösel & Hercher (Saalfeld) rekonstruiert. Die Restaurierung des Gehäuses übernahm Hans Rothe (Burgliebenau).
Die Orgel hat mechanische Schleifladen; ihr Tonumfang reicht im Manual von C-f’’’, im Pedal von C-d’.  
Die Disposition lautet:

Manual:
Principal 8’
Viola di Gamba 8’
Gedeckt 8’
Lieblich Floete 8’
Octava 4’
Floete minor 4’
Naßat 3’
Octava 2’
Mixtur 3fach 11/3

Pedal:
Subbaß 16’
Cello 8’

Nebenzug:
Pedalcoppel


(Samstag)

Orgelsommerkonzert in Borau

17:00

Ladegast-Orgel 1859 (2 Manuale, Pedal, 13 Register)
MICHAEL SCHÖNHEIT – Domorganist zu Merseburg

Kirche und Orgel von Borau-Selau

Die kleine Dorfkirche von Selau (das Kirchdörfchen ging Mitte des vergangenen Jahrhunderts in Borau auf und gehört heute zur Stadt Weißenfels) liegt idyllisch am Ortsrand. Sie besitzt eine einheitliche spätbarocke Ausstattung. Ungewöhnlich und so in der Region sonst kaum erhalten finden sich an den Brüstungen der doppelgeschossigen Emporen zahlreiche geistliche „Sinnbilder“, die sich dem heutigen Betrachter freilich kaum noch erschließen.
Den Auftrag für die Orgel erhielt Friedrich Ladegast im Jahr 1854. Er wohnte damals in Merseburg, wo er sein erstes Meisterwerk schuf: die große Domorgel, die ihn berühmt machte. Die Orgel für Selau wird in seinem Werkverzeichnis unter 1859 geführt, vermutlich hat er die Arbeit erst in diesem Jahr ausgeführt. Gefordert war von ihm in Selau zunächst lediglich eine Reparatur der vorhandenen Orgel von 1799, was ihm jedoch nicht zweckmäßig erschien. Er übernahm von diesem Instrument schließlich nur Gehäuse und Zimbelstern.
Die Orgel hat mechanische Schleifladen und eine mechanische Spiel- und Registertraktur.  Die Disposition lautet:

Hauptwerk (C-f³):
Principal 8’
Bordun 16’
Flöte 8’
Octave 4’
Gemshorn 4’
Nasard 2 2/3’
Octave 2’
Mixtur 3fach

Oberwerk (C-f³):
Gedackt 8’
Gamba 8’
Zartflöte 4’

Pedal (C-d’):
Subbaß 16’
Violon 16’

Cimbelstern
Manualcoppel
Pedalcoppel


(Samstag)

Abschlußkonzert in Schafstädt

17:00

Ladegast-Orgel 1875 (3 Manuale, Pedal, 33 Register)
JAN ERNST – Domorganist zu Schwerin
(Eintritt: 10 €)

Kirche und Orgel von Schafstädt

Die Stadtkirche St. Johannis in Schafstädt ist eine große neuromanische Saalkirche. Für den repräsentativen Kirchenbau opferte man den mittel-alterlichen Vorgänger, von dem nur der mächtige spätgotische West-turm mit seiner Barockhaube blieb. Für die neue große Orgel zog man den berühmten Orgelbauer Friedrich Ladegast heran. Kirche und Orgel wurden zusammen am 21. Mai 1875 geweiht (Ladegasts Werkver-zeichnis gibt unter der Werknummer 65 zwar das Jahr 1874 an, das sich aber offensichtlich auf Auftragsvergabe und Baubeginn bezog).
Auf ausdrücklichen Wunsch des Gemeindevorstandes baute Ladegast das Schafstädter Instrument exakt nach dem Vorbild einer dreimanualigen Orgel, die er 1868 in Polditz gebaut hatte, und er versah es auch mit dem gleichen neuromanischen Prospekt wie in Polditz.
Das wertvolle Instrument wurde bedauerlicherweise 1950 neobarock umdisponiert und später willkürlich weiter verändert. 2005/06 wurde es auf Initiative des Organisten Jörg Ritter durch die Firma Scheffler (Sieversdorf) restauriert, die zuvor auch das Polditzer Schwester-instrument restauriert hatte und u. a. auch an der Restaurierung der großen Ladegast-Orgel im Merseburger Dom beteiligt war.
Die Orgel hat mechanische Schleifladen. Die Originaldisposition:

I. Manual Oberwerk
Gedackt 16’
Geigenprincipal 8’
Doppelflöte 8’
Salicional 8’
Principal 4’
Flauto amabile 4’
Violine 2’
Progressiv-Harmonica
   2-3fach
Oboe 8’

III. Manual Echowerk
Flöte traverse 8’
Viola 8’
Gedackt 8’
Zartflöte 4’

II. Manual Hauptwerk
Principal 16’
Bordun 16’
Principal 8’
Gamba 8’
Flöte 8’
Rohrflöte 8’
Octave 4’
Gedackt 4’
Quinte 2 2/3’
Octave 2’
Cornett 3fach
Mixtur 4fach

Pedal
Untersatz 32’
Violonbaß 16’
Subbaß 16’
Octavbaß 8’
Baßflöte 8’
Quintenbaß
   5 1/3’
Octave 4’
Posaune 16’

Nebenzüge Koppeln
Haupt-Oberwerk (II-I)
Echo-Hauptwerk (III-I)
Hauptwerk-Pedal (II-P)